Jugendschutzgesetz: Weinversand künftig mit Altersüberprüfung?

Händlerinnen und Händler, die im Weinversand tätig sind, werden sich auf Änderungen einstellen müssen. Bislang ist es für Minderjährige ein Leichtes, Wein in Online-Shops oder bei Weinhändlern mit Versandoption zu bestellen. Eine Altersüberprüfung findet nicht statt. Dies ist auf ein Urteil aus dem Jahr 2007 des Landgerichts Koblenz zurückzuführen. Eine Überprüfung des Alters wird nach Paragraf 9 des Jugendschutzgesetzes nur in der Öffentlichkeit verlangt – nicht aber beim Versand. Das könnte sich in Zukunft ändern.


Versand in der rechtlichen Grauzone

Einem Versand von alkoholischen Getränken ohne Altersprüfung soll künftig ein Ende gesetzt werden. Das Landgericht Bochum sieht vor, dass der Paragraf 9 des Jugendschutzgesetztes auch für den Versandhandel zu gelten hat. Die aus Paragraf 9 gesetzte Formulierung „Öffentlichkeit“ soll künftig auch das Internet miteinschließen. Hierbei handle es sich schließlich um virtuellen „öffentlichen Raum“.

Ein Hinweis des Online-Shops oder der jeweiligen Website, dass ein Verkauf nur an volljährige Personen erfolgt, reicht nicht aus.


Umsatzeinbüßen durch bevorstehende Altersprüfung?

Der Online-Versand ist für die meisten Verbraucher mit einem Gefühl der Leichtigkeit verbunden. Mit ein paar Klicks hat der Kunde die Bestellung getätigt und wartet freudig auf seine Produkte.

Weinhändler, die ihre Produkte rechtssicher im Internet zum Kauf und/oder Versand anbieten möchten, sollten bereits jetzt eine hinreichende Altersprüfung durchführen.

Doch mit einer Überprüfung des Alters ergibt sich für den Kunden eine Hürde, die er zu nehmen hat. Möglicherweise gibt er seine Bestellung daraufhin lieber bei einem anderen Weinversand auf, welcher die Altersüberprüfung noch nicht anwendet. Es ist damit zu rechnen, dass die ersten Online-Versender, die eine Altersüberprüfung einführen, mit Umsatzeinbußen rechnen müssen. Ein umständlicher Bestellprozess kann zu einem Verlust von Kunden führen.


Zusätzliche Kosten

Versandhändler haben darüber hinaus mit zusätzlichen Kosten zu rechnen. Das Alter des Empfängers bei der Zustellung überprüfen zu lassen, ist bei den einzelnen Versanddienstleistern mit einem Aufpreis verbunden.

Die DHL beispielsweise bietet eine Alterssichtprüfung und den Ident-Check an. Bei der Alterssichtprüfung wird vom Händler das Mindestalter des Empfängers festgelegt. Das besagte Paket wird demnach auch nur an den Empfänger selbst oder an eine im Haushalt wohnende Person übergeben, welche das Mindestalter erreicht hat. Die Kosten bei der Alterssichtprüfung belaufen sich, Stand heute, auf 0,99 Euro zzgl. Mehrwertsteuer.

Bei dem Ident-Check hingegen wird das Paket ausschließlich an den Empfänger übergeben. Dieser hat sich auszuweisen. Der Vorgang wird vom Paketzusteller dokumentiert. Der Preis liegt aktuell bei 2,99 Euro zzgl. Mehrwertsteuer.

Auch die Firmen Hermes und DPD bieten eine Altersverifikation hat, welche ebenfalls mit Kosten verbunden sind. Einige Händler bieten bereits eine Online-Identifikation an. Dabei müssen die Verbraucher, bevor sie ihr alkoholisches Getränk erwerben möchten, Daten ihres Personalausweises angeben, um ihr Alter zu bestätigen.

Die SCHUFA bietet bereits den SCHUFA-IdentitätsCheck Jugendschutz an. Hierbei wird das Geburtsdatum überprüft und es findet ein Abgleich ausweisgeprüfter Identitäten statt. Darüber hinaus lässt es sich in bestehende Altersverifikationssysteme integrieren.


Altersverifikationen bei allen Online-Shops

Warum es Sinn ergibt, bei allen Online-Shops eine Altersüberprüfung einzuführen, ist folgender: Rechtlich gesehen ist ein Vertragsabschluss mit einer minderjährigen Person schwebend unwirksam. Damit dieser wirksam ist, müssen die gesetzlichen Vertreter (i.d.R. die Eltern) diesen genehmigen. Wenn die rechtlichen Vertreter dem (Kauf-)Vertrag nicht zustimmen sollten, hat der Händler/die Händlerin keinen Anspruch auf den Kaufpreis. Gerade bei bereits gelieferter Ware, gehen Händler/innen ein hohes wirtschaftliches Risiko ein.


Fazit

Eine Altersüberprüfung im Weinversand ist trotz der aufgeführten Nachteile unerlässlich für den Schutz Jugendlicher. Darüber hinaus werden bereits Mittel und Wege geschaffen, das Alter der Kunden mit kostengünstigeren und einfacheren Alternativen umzusetzen.

Ein Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz wird mit Geld- und/oder Freiheitsstrafen geahndet.
Bloginfo

17. Mai 2019

Marie-Sophie Schmidt